Impressionen aus Mariazell
Die lebhafte Geschäftigkeit im Einsatzkommando irritiert mich vorerst. Bald erkenne ich doch ein geordnetes System und das beruhigt. Wir stellen uns vor, packen den Rucksack mit Süßigkeiten voll und gehen in Mariazell auf „Streife „.
Ziel ist es, sowohl Helfern als auch der Bevölkerung im Bedarfsfall Unterstützung anzubieten.
Die ältere Dame müht sich mit zwei Schistöcken durch den Schnee, hängt sich bei mir ein und ...lacht. Der pensionierte Kunsttischler schildert das Knarren seines Hausdaches in der Nacht... und lacht. Die Familie schippt mit Scheibtruhen den Schnee aus dem Hof... und plaudert mit uns.
Manch einer aus der Bevölkerung liest verschämt die Aufschrift auf unseren Jacken, einige fragen direkt, Verständnis und Dankbarkeit schwingt uns entgegen.
Motivierender Zuspruch unsererseits an die jungen Soldaten, denen auch langsam die „Psycholuft „ ausgeht. Wir packen unsere Schokoladen aus. Die Schaufeln werden weggelegt- es wird geblödelt, angegeben und dankend auch noch eine zweite Schokorunde genossen. Rangunterschiede gibt’s da nicht mehr- für jeden ist die Schokolade gleich groß.
Wir hören Angebote von Bewohnern an die Hilfskräfte, zum Mittagessen zu kommen, der berühmte Lebkuchen steht zur freien Verfügung am Gehsteig. Eine Krapfenspende wird angesagt- für alle !
Bei der Dienstbesprechung im behördlichen Führungsstab werden auch wir KIT-ler um Information gebeten. Wir fühlen uns gleichwertig behandelt mit allen anderen. Da sind wir schon ein wenig stolz !
Eine ältere Dame löchert schon seit einiger Zeit das Einsatzkommando mit ihren Anrufen, weil Schnee auf ihrem Gehsteig liegt und droht mit „ Anzeigen gegen alle!„ Unmut macht sich breit, als ermüdete Helfer nicht gerade samtweich reagieren. Die Sache beginnt sich aufzuschaukeln.
Wir schalten uns ein, beruhigen und erklären, - schaufeln auch die paar Schneeklumpen weg- und alles ist bestens. Das Bier und die Schokolade lehnen wir dankend ab. Vielleicht war es gerade das Gespräch mit ihr , das die Dame eigentlich wollte.
.Der Einsatzstab wurde von ihr wieder angerufen. Diesmal hat sie sich bedankt.
Jetzt geht plötzlich auch die Sonne auf. Sofort steigt bei uns allen wieder die Aktionsfreudigkeit.
Mir fallen die Worte aus der Ausbildung ein „... den Menschen Hoffnung geben…“!
Franz Hofmeister
Erwin Fasching
